Sie sind hier: Fächer > MINT Fächer > Mathematik > Projekte und Exkursionen > Mathe-Wochenende

Mathe-Wochenende in Dinkelscherben

Ein Nebensatz im Mathematikunterricht des Leistungskurses, gefallen im September 2008, geistert über ein Jahr später wieder durch die Köpfe der Schülerinnen und will realisiert werden.

Was war passiert? Der Kursleiter meinte damals, er könne sich als Abiturvorbereitung auch vorstellen, an einem verlängerten Wochenende im Frühjahr 2010 außerhalb des Schulgebäudes kompakt und konzentriert den Unterrichtsstoff der beiden letzten Jahrgangsstufen zu wiederholen. Weil eine sofortige Reaktion der Schülerinnen ausblieb, legte er seine Idee ad acta.

Dezember 2009: „Haben Sie nicht versprochen, mit uns an einem Wochenende gezielt den Mathematikstoff zu wiederholen?“ Plötzlich war die Idee wieder präsent. Was versprochen wurde, muss man auch halten. Ein geeigneter Termin und ein passendes Haus wurden gesucht, und da die Kollegiatinnen sogar wichtige eigene Verpflichtungen lösten („Vielleicht verpasse ich doch etwas!“), wurden auch beide gefunden. Nun fehlte noch die passende Partnerin für den Kursleiter. Erstens brauchte er für seine Mädchen eine Frau als Betreuungsperson und zweitens sollte sie auch über eigene Erfahrung im Umgang mit jungen Mathematikerinnen verfügen. Er erinnerte sich, dass zu Jahresbeginn eine junge Kollegin aus München ans Maria-Ward-Gymnasium gewechselt hatte, und nahm Kontakt mit ihr auf. Nach einigen Tagen des Nachdenkens hatte er sie soweit: sie erklärte sich dazu bereit, mitzufahren.

3 Tage vor Abfahrt: Die Kollegin äußert ihre Bedenken: ob sie eigentlich hauptsächlich deshalb mitfahren sollte, um die Mädchen (und wahrscheinlich auch den Kursleiter) zu bekochen und sie mit Speis und Trank zu versorgen. Der Kursleiter beruhigt sie. Sie sei seine „Traumfrau“, weil er ihre Erfahrung auf mathematischem Gebiet schätze. Was den Haushalt anginge, würden sich die jungen Damen selbst um alles kümmern. Damit gibt sie sich zufrieden.

Nun startet das Projekt. Am 4. Februar 2010 treffen sich die Kursteilnehmerinnen und der Kursteilnehmer um 15.00 Uhr am Jugendgästehaus des Landkreises Augsburg in Dinkelscherben. Alle sind vollbepackt: die Mädchen mit Lebensmitteln, Kochzutaten, Schreibmaterial, Frau Frank und der Kursleiter Herr Ruof mit Arbeitsmaterial und dem ganzen Equipment, das ein moderner Unterricht braucht. 2 Laptops, Flachbildscanner, Drucker und Beamer finden ihren Weg nach Dinkelscherben. In kurzer Zeit werden alle Dinge im Haus verstaut, die Zimmer verteilen sich von selbst auf die Teilnehmer/innen und die Tea-time beginnt. Die mathematischen Lebensgeister erwachen sehr bald, der Arbeitsraum wird hergerichtet und um 16.00 Uhr geht’s los.

Mit wechselnder Aufgabenstellung, Arbeitsweise, unterschiedlichem Medieneinsatz und vielfältigem Material wird die Mathematik in den Mittelpunk gestellt. Infinitesimalrechnung, Stochastik und Analytische Geometrie wechseln sich ab. Aufwärmaufgaben aus Frau Franks großem Reservoir erleichtern den Einstieg ins jeweilige Fachgebiet. Während Herr Ruof den Stoff mit Hilfe von Powerpointpräsentationen wiederholt, sucht Frau Frank gleichzeitig zusätzliche passende Aufgaben bzw. Zusammenfassungen aus und vervielfältigt sie. Die Schülerinnen bearbeiten selbständig die gestellten Aufgaben zu zweit oder in Gruppen; die beiden Mathematiklehrkräfte stehen mit Rat und Tat zur Seite. Die Stimmung unter den Mädchen schwankt von Zweifel („Wie geht das schon wieder?“) bis zur überschwänglichen Freude („Super, den Ansatz und das Ergebnis habe ich auch!“). Um 20.00 Uhr sind alle ziemlich erschöpft und haben Hunger und Durst.

Das ist die Einsatzaufforderung für die Heinzelmännchen (Kursteilnehmerinnen). Ohne Aufforderung wird der Raum zum Speisesaal umgebaut und das kalte Buffet hergerichtet: wir speisen fürstlich. Weitere Heinzelmännchen sorgen für den Abwasch und räumen auf, so dass nun in Ruhe gespielt, gelesen und geratscht werden kann.

Der darauffolgende Freitag verläuft in ruhigen Bahnen: 8.30 Uhr Frühstück, 9.15 Uhr Arbeitsbeginn, 19.45 Uhr Arbeitsende, kurz unterbrochen von Mittagessen und Tea-time. Als Highlight richten die Heinzelmännchen am Abend heiße Steine her und versorgen ihre Chefs und sich mit Köstlichkeiten. Anschließend gibt es das gleiche Programm wie am Vorabend.

Mit einem Zuckerl beginnt der Samstag. Gefrühstückt wird erst um 9.00 Uhr und die Arbeit wird nur durch das Mittagessen unterbrochen. Um 15.30 Uhr packt die Truppe zusammen und um 16.00 Uhr wird das gastliche Haus verlassen. Fast alle sind todmüde. Deshalb entfällt nach eigener Aussage bei einigen Kollegiatinnen das Samstagabendprogramm.

Die Unterbringung  im Jugendgästehaus, einem sehr schönen Gebäude, erfüllte die Anforderungen an ein Lernwochenende hervorragend. Wir waren die einzige Gruppe im Haus, und um uns herum befanden sich nur Wald und Wiesen. Die Stimmung war ausgezeichnet, Anweisungen in jeder Hinsicht schienen überflüssig, die Küche arbeitete wie von Geisterhand (Heinzelmännchen) und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten das Gefühl, viel und erfolgreich gelernt zu haben. Vielen Dank an alle, besonders an Frau Frank für ihre unermüdliche Einsatzbereitschaft!

Norbert Ruof